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Mit Online-Marketing der Literatur auf die Sprünge helfen

Erstveröffentlichung: 2002

Zum Inhalt
Einführung in Sinn und Durchführung von Online-Marketing für Autoren.


Inhaltsverzeichnis

Veröffentlicht

201, 241

Mit Online-Marketing der Literatur auf die Sprünge helfen

Wozu eigentlich?

Die gewohnte Arbeitsteilung zwischen Schriftsteller und Verlag sieht so aus, dass der eine schreibt und der andere verkauft. Vor diesem Selbstverständnis bleibt kein Raum für Marketing-Aktivitäten des Autors. Wozu dann mit dem Sonderfall Online-Marketing beschäftigen?
In den allermeisten Fällen hängt das Honorar für eine Buchveröffentlichung von der Anzahl verkaufter Exemplare ab. Dies kann ein Prozentsatz auf den Umsatz oder auf den Nettoladenpreis sein, aber auch ein Festhonorar je Auflage. Wenn sich der Autor via Marketing beim Abverkauf einmischt, kann ihm das also nur zugutekommen. Und bei kleineren Verlagen läuft das Marketing meist nicht so routiniert und flächendeckend wie bei Großverlagen. Die Verleger sind hier auf die Unterstützung des Verfassers angewiesen, lassen sich gegebenenfalls sogar in Strategie und Umsetzung hineinreden.

In Marketing für Autoren (Federwelt 2000) habe ich dargelegt, warum der Gedanke an die Leser nicht erst zur Veröffentlichung einsetzen darf. Dieser Artikel wird sich trotz allem auf Möglichkeiten konzentrieren, eine vorhandene Publikation zu kommunizieren. Ausführungen über Produktmarketing, Vertrieb und Vertragsgestaltung hätten den Rahmen dieses Schwerpunktheftes gesprengt. Ohnehin ist das spezielle Online-Marketing in diesen Bereichen eher marginal.

Worin liegt nun der Vorteil, sich gerade im Internet um Leserinteresse zu bemühen?
Aus mehreren Gründen ist die Kommunikation im Netz billiger. Interessenten lassen sich leichter finden, spezifischer ansprechen und die Vervielfältigung Ihrer Mitteilungen kostet fast nichts.
Dagegen spricht eine gewisse Online-Depression bei den Marketing-Profis in Großunternehmen, die mit den Ergebnissen ihrer Internetaktivitäten so gar nicht zufrieden sind. Deren Denkansatz war zumeist auf Masse und viel, viel Geld ausgerichtet. Damit können Autoren ohnehin nicht dienen.
Schriftsteller benutzen bekanntlich ihren Kopf.

Eine Website effektiv einsetzen

Unter Internet verstehen die meisten Menschen immer noch bloß das World Wide Web. Wenn es um die Nutzungsdauer geht, liegen Websites an der Spitze der Internetangebote. Häufiger, aber nicht unbedingt mit mehr Zeiteinsatz, werden nur noch E-Mails verwendet. Es macht also Sinn, sich zunächst Gedanken über die eigene Website zu machen.

Sie können mit einer oder mehreren Seiten (Webpages) im Internet vertreten sein. Sie alle zusammen bilden Ihre Website, die über eine oder mehrere Einstiegsseiten (Homepages) erreichbar sind. Ihre Inhalte sollten so auf Webpages verteilt werden, dass jede Seite auf Kompaktheit, Länge und Verknüpfbarkeit optimiert wird. Der Grund dafür ist ein anderes Leseverhalten am Bildschirm als auf Papier.
Bücher werden in der Regel komplett von vorn nach hinten gelesen werden. Bei Fachbüchern wird allerdings oft ein Artikel übersprungen und die Leser von Zeitschriften und Zeitungen springen auch innerhalb eines Artikels. Stärker ausgeprägt gehen Onlinesurfer vor. Sie erwarten, dass in sich abgeschlossene Thementeile auf eigenen Webpages abgelegt und verlinkt sind, und klicken diese nur bei Interesse an.
Ein gut organisierte Website muss daher auf unterschiedlichste Lesereihenfolgen Rücksicht nehmen. Stückeln Sie Ihre Inhalte in möglichst kleine Teile - praktisch nach Schlagworten - in einzelne Seiten und verlinken Sie diese Seiten untereinander, wo immer Themenbezüge bestehen. Zum Schluss werden Ihre Webpages wie bei einem Mobile miteinander verwoben an einer oder mehreren Homepages hängen.
Wenn Sie in sehr unterschiedlichen Literaturbereichen schreiben, sollten Sie überlegen, ob Sie nicht sogar mehrere getrennte Websites führen. Das sollten Sie insbesondere dann tun, wenn Sie unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichen oder scheinbar unverträgliche Inhalte haben, z. B. Kinderbücher und erotische Geschichten. Wenn Sie dergleichen vermischen, bekommen Sie nur Ärger mit Lesern, die Ihre Arbeit in einem Segment mögen und im anderen ablehnen. So paradox es klingen mag: Sie riskieren dann, dass diese Leute gar nichts mehr von Ihnen lesen!

Nachdem Sie auf diese Weise die Inhalte für Ihren Internet-Auftritt sortiert haben, brauchen Sie immer noch zwei Dinge: ein Konzept für die Gestaltung und ein Hilfsmittel, dass die Gestaltung verwirklicht.
Zur optischen Gestaltung lässt sich lang und detailliert fachsimpeln. Da die wenigsten Autoren gleichzeitig Designer oder Software-Ergonomen sind, muss die literarische Website mit einfachen Lösungen für die Grätsche zwischen ansprechender Aufmachung und praktikabler Steuerung auskommen. Ziel ist immer, möglichst wirkungsvoll Interesse an der literarischen Veröffentlichung zu erzeugen oder zu verstärken.
Die Website sollte sich nicht weit von der Außenwirkung Ihrer Bücher bzw. Ihres Autorennamens entfernen. Ein Horror-Schriftsteller sollte sich nicht in Rosa-Blümchen-Muster präsentieren, sondern sich eher an die Farb- und Bildgestaltung seiner Bücher anlehnen.
Mit Schrifttypen spielen Sie am besten gar nicht, da der Betrachter nicht unbedingt die gleichen Schriftsätze auf dem Rechner hat wie Sie: Zur Auswahl stehen reell nur Arial oder Times. Für Überschriften oder Steuerungselementen können Sie allerdings Schriften auch als Bilder speichern.

Das bringt uns zum schwierigsten Punkt bei der Website-Entwicklung, der Bildbeschaffung. Es gibt eine Menge Archive im Netz mit kostenlosen Bildern. Möglicherweise haben Sie auch Ähnliches auf CD erstanden. Ansonsten gilt aber für alle Motive das selbe Urheberrecht, das auch Ihre Texte schützt. Sie dürfen also nicht einfach irgendwo ein Bild hernehmen und in Ihre Website einbauen - selbst wenn Sie einen Scanner oder eine Digitalkamera haben. Sollten Sie viel mit Bildern arbeiten wollen, könnte zeitintensives Suchen auf Sie zukommen.
Einfacher ist dagegen schon die technische Umsetzung Ihrer Konzepte in funktionsfähige Websites. Dazu sind viele Programme zu haben. Vom Composer, der bei Netscape beigepackt ist, bis zur kompletten Siteverwaltung bei Dreamweaver oder Netobjects Fusion. Selbst mit Word können Sie HTML-Seiten ausgeben, doch das Ergebnis ist meist nicht berauschend. Suchen Sie mit Blick auf Ihren Geldbeutel nach Programmen, mit der für Sie sinnvollen Ausstattung.
Die geringsten technischen Kenntnisse benötigen Sie bei HTML-Generatoren. Hier basteln Sie wie in Ihrer Textverarbeitung Seiten, die dann als Webpages ausgegeben und z.T. sogar verknüpft werden. Als Beispiel dieser Softwarekategorie sei Frontpage von Microsoft genannt.
Das andere Ende der Palette sind HTML-Editoren, in denen man direkt die Befehle der Websprache eingibt. Dazu muss man aber HTML erst einmal gelernt haben. Dann leistet der kostenlose Editor Arachnophilia gute Dienste.

Außer HTML-Dateien, die die Programmierung Ihrer Seiten enthalten, brauchen Sie schließlich auch noch sogenannten Webspace, also Speicherplatz auf einem Rechner, der dauerhaft ans Internet angebunden ist. Vielfach ist dies bereits im Preis für einen Internetzugang enthalten, z. B. bei T-Online, AOL, 1&1. Ansonsten kann man diese Dienstleistung einkaufen oder kostenlos gegen Werbeeinblendungen bekommen. Adressen für kostenlosen Webspace finden Sie am Ende des Artikels.
Das gleiche Spielchen können Sie rund um Domains, also eine eigene Internetadresse, betreiben. Stück für Stück setzten Sie so Ihre Netzpräsenz zusammen.

Bisher ist aber die Frage, wozu Sie eine Website brauchen sollten und wie Sie sie am sinnvollsten einsetzen, nicht geklärt.
Eine Website im Internet zu haben, bringt Ihnen zunächst einmal gar nichts. Niemand wird nur deshalb auf Ihren Seiten stöbern. Dazu braucht es einen Eintrag in Suchmaschinen, die Adresse auf Ihrer Visitenkarte oder einen Hinweis in Ihrem Verlagsanschreiben. Sie müssen also für Ihre Website werben. - Warum dann nicht gleich für Ihre Bücher werben? Wozu der Umweg?
Das Problem an Werbung ist, dass Sie nur knappe Aussagen transportieren kann. Werbung kann bloß Themen anreißen und Interesse wecken. Vertiefende Informationen können Sie in Werbung nicht unterbringen. Dafür eignet sich aber Ihre Website!
Sie verlängern den Informationsfluss von einem flüchtigen Kontakt zu einem längeren Aufenthalt. Und wenn Sie das gut machen, schicken Sie die Interessenten auch noch in den Buchladen oder zu Ihren Vorlesungen. Ziel jeder Website ist der Transfer von Aufmerksamkeit. Um Aufmerksamkeit im Internet zu erzeugen, brauchen Sie andere Werkzeuge.

Die Vorteile von Vernetzung

Marketing ist im Internet auch ohne eigene Website möglich. Manche Aktivität ist ohne sie undenkbar, z. B. die Teilnahme in einem Webring.
Webringe fädeln unterschiedliche Websites wie Perlen auf einen verbindenden Faden. Der Surfer kann sich von jeder teilnehmenden Seite zur nächsten durchklicken und kommt so auf ganz unterschiedliche Angebote zum gleichen Thema. Das erspart dem Nutzer langwierige Sucherei und bringt den Websites mitunter einen regen Zustrom. Schauen Sie mal nach einem Webring, der Sie interessiert, und probieren ihn als Surfer aus. Sie bekommen dann schnell ein Gefühl dafür, wie es funktioniert und was Sie tun müssen, um Ihre Seite in eine solche Verbindung zu bekommen.
Sehr ähnlich, aber nicht immer inhaltlich abgestimmt, funktioniert der Linktausch zwischen Websites befreundeter Betreiber. Das können Autoren sein, die Ihre Websites gegenseitig verlinken, oder auch das Duo Kleinverlag-Autor.
Keinen echten Link, aber einen Hinweis auf Ihre Website können Sie auch im Impressum oder Anhang Ihres Buches unterbringen lassen, sofern Sie das mit dem Verlag vereinbaren können. Die Leser, die einmal mit Ihnen zufrieden sind, werden sich vermutlich gern über Ihre weiteren Arbeiten informieren.

Ihnen stehen jedoch auch sehr viel wirkungsvollere Wege im Netz offen: wenn Sie nicht Ihre literarischen Produkte, sondern Ihre Person in den Vordergrund stellen.
Gemeint ist damit nicht, dass Sie ein zweiter Dieter Bohlen werden und Ihre Leser mit unnützem Klatsch versorgen sollen. Seien Sie einfach erlebbar, nutzen Sie das Internet als Medium für eine direkte Kommunikation. Dann sind Sie nicht nur ein weiterer Name im Mediengeprassel, sondern eine Person mit Glaubwürdigkeit. Sie werden sehen, dass diejenigen, die Ihnen vertrauen, mit größerer Wahrscheinlichkeit Ihre Arbeiten lesen wollen.
Um es konkret zu machen: viele Autoren eignen sich in Recherchen Kenntnisse an, die sich auch in der Praxis verwenden lassen. Wenn Sie damit beratend zur Verfügung stehen, können Sie mühelos fallen lassen, dass Sie ein Buch oder eine Geschichte zu dem Thema veröffentlicht haben. Woher nehmen Sie aber Menschen, die Ihren Rat brauchen?
Im Internet finden sich sogenannte Expertendienste, wo Informationen ausgetauscht und Tipps gegeben werden. Für Ihre Beratung können Sie sich von Anderen Hilfestellung geben lassen, z. B. um neue Themen zu recherchieren oder ein privates Problem zu lösen. Das Schöne an Expertendiensten ist die weite Bandbreite an verfügbaren Themen unter einem Dach.
Ähnliche Effekte können Sie durch die Teilnahme an Mailinglisten, Webforen oder Newsgroups erzielen. Hier ist jedoch der Themenkreis im Voraus festgelegt. Sie können nur als Experte unter Fortgeschrittenen glänzen, während bei Expertendiensten vornehmlich Anfänger um Rat fragen.
Newsgroups sind wie öffentliche schwarze Bretter und in einem eigenen technischen Teil des Internets abgelegt. Wie Sie da rankommen, hängt von Ihrem Internetzugang ab. Informieren Sie sich dort, welche Programme bzw. Einstellungen notwendig sind.
Für alle Diskussionsformen im Netz gilt, dass Sie sich vorher überlegen müssen, wie Sie auftreten. Vielfach werden Ihre Mitteilungen über Jahre archiviert. Sie sollten also Streitereien vermeiden, sofern Sie nicht das gefährliche Pflaster des Provokationsmarketings betreten wollen.
Reizthemen erzeugen eine Menge Aufmerksamkeit und polarisieren Meinungen. Gut gemacht gewinnt ein Provokateur Anhänger. Bei ungünstigem Ausgang macht er sich nur Feinde. Eine Diskussion auf gewagte Thesen zu lenken, kann Sie als Gesprächspartner disqualifizieren und keiner der Beteiligten wird sich mehr einen Deut für Ihre literarische Arbeit interessieren. Das Vertrauen wäre verspielt.
Sorgen Sie also dafür, dass Sie mit Provokationen nicht zur Persona-non-grata werden, sondern bewahren Sie Verständnis für gegenläufige Positionen. Und setzen Sie Reizthemen nur wohldosiert ein.

Werben im Internet

Sie können für Onlinewerbung bezahlen oder sie auf Gegenseitigkeit eintauschen. Bannertauschsysteme sind Webringen in gewisser Weise ähnlich, denn auch hier werden die beteiligten Seiten untereinander vernetzt. Doch ist die thematische Nähe nicht so groß und der Nutzer nimmt die Einblendung nicht als inhaltlichen Vorschlag, sondern eben als mehr oder minder kommerziellen Hinweis auf. Der Unterschied zur bezahlten Werbung ist für den Surfer nur marginal.
Bannerwerbung gibt es in verschiedenen Formaten. Zum einen wären dies die technischen Dateitypen, zum anderen die beanspruchten Flächen. Mit der folgenden Übersicht bekommen Sie einen Eindruck, worauf Sie bei der Erstellung achten müssen.</p> GIF: ein Format mit geringer Farbenanzahl (Farbtiefe). Je nach Einstellung 2 bis 256 Farben. Dafür kann im GIF-Format eine Art Daumenkino erstellt werden.
JPG: hier sind wesentlich mehr Farben erlaubt. Die Daten werden je nach Einstellung unterschiedlich stark komprimiert. Das Bild wird dabei grobkörniger. Bewegte Banner sind nicht möglich.
Flash: Dieses Dateiformat werden Sie nur mit einer speziellen Macromedia-Software erstellen können. Mit Flash können lange Animationsfolgen und sogar interaktive Banner realisiert werden. Allerdings ist die Einbindung in Websites komplizierter und das Format wird bei Bannertausch nicht unbedingt zugelassen.
(D-)HTML: Diese Banner sind eine Art Miniwebsite. Sie können damit alles einbinden, was technisch im Internet machbar ist. Sie können z. B. GIF-Dateien um Formularfelder gruppieren oder mit dynamischen HTML Ihr Banner über der Website "herumfliegen" lassen. - Die meisten Websites werden dieses Bannerformat allerdings nicht oder nur zu Sonderkosten zulassen.

Querformate: 468x60 oder 234x60 Pixel sind im deutschsprachigen Raum als Standard etabliert. Im Ausland finden sich auch 400x40 oder
Hochformate: Mit 120 Pixel Breite und unterschiedlicher Höhe haben sich inzwischen auch hohe Banner (Skyskraper) durchgesetzt.

Egal in welchem Format, Banner transportieren zuerst optische Eindrücke und dann Wortbotschaften. Sie sollten daher ähnlich wie Ihr Buch und Ihre Website gestalten sein, um die Wiedererkennung zu verstärken.
Unerwünschte E-Mail-Werbung ist inzwischen durch EU-Recht genauso verboten wie unverlangte Faxe. Darum sollten Sie überlegen, ob Sie einen Newsletter zu Ihrer schriftstellerischen Arbeit einrichten, bei dem sich Interessenten freiwillig anmelden können. Abonnenten gewinnen Sie über Ihre Website oder über Textanzeigen in Newslettern mit ähnlichen Themen. Ein typisches Format für solche Kleinanzeigen sind acht Zeilen mit bis zu 65 Zeichen. Vielleicht haben Sie ja einen befreundeten Newsletter-Herausgeber, der mit Ihnen Anzeigen tauscht.

Die Presse für sich gewinnen

Public Relations erarbeiten Sie sich im Netz weitgehend genauso wie in der Welt außerhalb von Computern. Webseiten, E-Mails und Dateien sind bloß Hilfsmittel, mit denen Sie Journalisten erreichen und ihnen die Arbeit erleichtern können. Im Gegenzug sparen Sie Porto und andere Ausgaben wie Kopien oder Fotoabzüge. Und deswegen können Sie es sich leisten mehr Redaktionen zu informieren als Sie es ohne Internet getan hätten.
Auch in der Pressearbeit ist der Dreh- und Angelpunkt Ihre Website. Planen Sie deshalb eine eigene Presserubrik ein, auf der Sie vertiefende Informationen und Fotos zum Download ablegen. Komplette Meldungen samt Hintergründen und Bebilderung in E-Mails zu packen, gilt nämlich als Zumutung. Sie müssen sich bloß vorstellen, Sie bekämen jeden Tag mehrere Dutzend Mails samt Dateianhängen geschickt. Da gehen etliche Megabyte durch Ihre Telefonleitung und schlagen sich entsprechend auf Onlinekosten oder Wartezeiten durch. Nicht jeder hat eine DSL-Flatrate.
Alternativ schicken Sie kurze Anreißer und setzen einen passenden Link darunter. Die Empfänger wissen dann schnell, ob sie sich für Details interessieren, und werden Ihrer Website einen Besuch abstatten.

Der Online-Buchhandel

Wenn Ihre Bücher bei einem oder mehreren Versandbuchhändlern im Internet gelistet sind, können Sie dem Abverkauf an dieser Stelle etwas auf die Sprünge helfen. Anders als die örtlichen Läden sind die Online-Buchhändler offen für Kommentare und Ergänzungen aus dem Publikum. Das können Sie sich zunutze machen. Zum Beispiel indem Sie begeisterte Leser um eine Beurteilung bitten. - Oder Sie schreiben die Rezension gleich selbst. Anonym natürlich, damit es nicht so auffällt, dass Sie sich selbst loben.
Des Weiteren können Sie von Ihrer Website direkt auf die Bestellseite eines Online-Buchhändlers verlinken. BOL.de und Amazon.de bieten dazu sogar Partnerprogramme an, bei denen Sie pro verkauftem Buch eine Provision zwischen 5 und 15 % des Nettoladenpreises erhalten. Die Spielregeln sind bei den beiden Händlern unterschiedlich. Prüfen Sie daher selbst, ob Sie teilnehmen können und was sich für Sie eher lohnt. Informationen bekommen Sie unter www.amazon.de/partner und www.bol.de/partner
Bis vor kurzem konnten Sie als Autor bei Amazon.de noch sehr viel mehr Marketing betreiben. Sie konnten Ihr Buch mit Bildern, Inhaltsverzeichnissen und Auszügen versehen lassen. Da Amazon.de sich jetzt aber ebenfalls auf die Zusammenarbeit mit dem Großhandel konzentriert, sind diese Optionen eingestellt worden. Derlei kann nur noch der Verlag über das Barsortiment veranlassen.

Falls Sie Restauflagen vom Verlag übernommen haben, steht Ihr Buch als vergriffen im Onlinehandel. Bei Amazon.de können Sie jetzt aber auch gebrauchte Bücher anbieten und so Ihr Werk lieferbar halten.

Auf den Instrumenten spielen

Mit Website, Vernetzung, Werbung, Pressearbeit und Verkaufsförderung haben Sie die wesentlichen Werkzeuge zum Online-Marketing beisammen. Entscheidend für den Erfolg ist, wie Sie diese Instrumente kombinieren - insbesondere mit dem wichtigsten aller Marketingbestandteile: Ihrer schriftstellerischen Arbeit, Ihrem Produkt.
Um ihnen dieses Zusammenspiel zu verdeutlichen, greife ich ein reales Beispiel aus meiner eigenen Marketingarbeit heraus.
Ende 2000 erschien mein Roman Wilde Jagd in einem vergleichsweise kleinen Verlag, der ohne regelmäßige Buchhandelspräsenz auskommen und relativ hohe Verkaufspreise ansetzen muss. Potenzielle Leser hatten also einige Hindernisse zu überwinden. Diese Mühen würden sie aber nur mit guten Gründen auf sich nehmen. Wie also Überzeugungsarbeit leisten?
Ich hatte parallel noch eine Geschichte mit den Hauptfiguren des Romans im Kopf, die eigenständig und als Appetithappen für das Buch geeignet ist. In der Hoffnung, dass Leser, denen die Geschichte gefiel, auch zum Roman greifen würden, schrieb ich Dualismus und machte daraus eine PDF-Datei. Hübsch verpackt und mit ansprechenden Hinweisen auf den Roman in gedruckter Form.
Nun musste die Geschichte aber noch an Leser kommen. Da man bei einer PDF-Datei unerlaubtes Kopieren ohnehin nicht verhindern kann, entschied ich mich aus der Not eine Tugend zu machen. Ich gab Dualismus zur beliebigen, kostenlosen Veröffentlichung frei, solange der Hinweis auf den Roman erhalten blieb. Eine Quelle zum Bezug sollte meine Website sein, aber das allein würde nicht genug Leute erreichen. Natürlich würde ich eine Meldung in meinem Newsletter machen und Presseinfos rausschicken, doch ließ sich die Motivation zur Verbreitung noch steigern.
Ich besprach mich mit Betreibern ausgewählter Websites: Infodienste, Spieleseiten, meinem Verleger. Wer Dualismus direkt auf seiner Website zum Download anbot, erhielt eine besondere Version der PDF-Datei mit Logo und Link seiner Website. Durch den Download und das Weiterreichen der Datei von Leser zu Leser würde auch Werbung für die Website gemacht, die Dualismus angeboten hatte. Die Betreiber gaben sich also Mühe, auf meine Geschichte möglichst günstig hinzuweisen.
Soweit zur Vorbereitung. Das Ergebnis waren über 2000 Downloads von Dualismus allein auf meiner Website! Dann noch etliche Zugriffe auf den Kooperationsseiten und auf Websites, die das Recht zur kostenlosen Veröffentlichung genutzt hatten und die ich vorher gar nicht kannte. Außerdem wurden die Dateien noch vielfach privat per E-Mail weitergereicht und ich habe auch Belegexemplare für den Abdruck in Fanzines erhalten, sodass der Vergleich mit einer 10.000er Gesamtauflage nicht übertrieben ist.
Die Quote derjenigen, die nach der Lektüre von Dualismus den Roman gekauft haben, liegt bei etwa 1 Prozent. Das klingt nicht viel, aber das Honorar aus den Verkaufserlösen ist als Gegenwert für einen Kurztext durchaus angemessen. Und der Effekt auf den eigenen Bekanntheitsgrad darf nicht unterschätzt werden: Ein namhafter Verlag lädt mich seitdem zu seinen Autorenempfängen ein und die Nominierung von Wilde Jagd für den Deutschen Phantastik-Preis geht auf die Vorschläge aus dem Publikum einer Website zurück, die zuvor Kooperationspartner bei der Verbreitung von Dualismus war.

Allen Selbstverlegern möchte ich ein weiteres Modell der Kooperation vorstellen. Autoren in Kleinverlagen können es ihrem Verleger ans Herz legen oder Exemplare auf diese Weise selbst verkaufen.
Im Verkaufspreis eines Buches sind üblicherweise Rabatte für den Buchhandel eingeplant, die zwischen 30 und 50 Prozent liegen. Bestellt der Leser direkt beim Verlag, spart er sich den Rabatt, bezahlt dafür oft die Versandkosten selbst.
Rechnen Sie mal durch, ob bei den Direktbestellungen noch Spielraum gegenüber der Buchhandelsbestellung ist. Dann können Sie diese Differenz als Vermittlungsprovision in Aussicht stellen für Websites, die Ihr Buch bewerben!
Überlegen Sie sich, welche Anforderungen Sie an Interessenten für diese Kooperation stellen, z. B. Art und Umfang der Buchvorstellung oder das Bestellformular. Technisch ist es leicht, dass Bestellungen auf einer anderen Website per Mail direkt an Sie gehen und eine Kennung haben, von wo sie gekommen sind. Sie sehen dann, ob und wer eine Provision bekommen muss.
Mit diesem Provisionsmodell hat schon Amazon.de seine Umsätze vervielfacht und auch kleine Verlage arbeiten erfolgreich damit. Es ist Werbung, die Sie nur dann bezahlen müssen, wenn sie erfolgt hat! Und da jede Kooperationsseite Ihr Buch anders vorstellt, sieht diese Werbung noch dazu wie Empfehlung aus und wird daher stärker beachtet.

Internetadressen

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